Pressemeldungen

Hannoversches Wochenblatt (05.07.2003)

Jugendhaus Amthor — nur noch eine Heimat auf Zeit

Wer bietet der Gemeinschaft von Kindern und Jugendlichen neues Quartier?

Seit 1984 gibt es in der List das Kinder- und Jugend- haus Amthor, die kleinste stationäre Kinder- und Jugend- hilfe in Hannover. Sechs Kinder und Jugendliche haben dort ein neues Zuhause. Gerade, weil die Einrichtung so klein ist, kann sie eine gute pädagogische Arbeit leisten. Die Jugendämter wissen das und belegen dort besonders gern frei werdende Plätze. Derzeit Ist die Existenz des Kinder- und Jugendhauses jedoch gefährdet. Bis spätestens April 2004 müssen die Bewohner das Haus räumen. Der Mietvertrag läuft aus und die Erbengemeinschaft strebt einen Verkauf an. „Wir brauchen unbedingt ein neues Domizil, wenn möglich in der List“, sagt Jens-Olaf Arnthor eindnnglich. Er hat Sorge, dass die Kinder und Jugendlichen durch die unsichere Wohnsituation in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden. Sie haben in der list ihre Freunde, besuchen dort ihre Therapeuten, die auf Traumata spezialisiert sind, und gehen in dem Stadtteil zur Schule“, sagt der 39-Jährige, der tagsüber in seiner Betreuung von drei Pädagogen unterstützt wird. Etliche seiner jungen Bewohner wurden zuvor in ihren Familien teils schwer misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt. Für Michael, der seit 1991 in dem Kinder und Jugendhaus Amthor wohnt, bedeutet die kleine Lebensgemeinschaft sehr viel „jens-Olaf ist für mich ein Vaterersatz“, beteuert der 19- Jährige und fügt bedrückt hinzu, dass eine andere Bezugsperson für ihn nicht in Frage komme. Die intensive pädagogische Betreuung hilft den Kindern und jugendlichen, sich zu stabilisieren, wieder regelmäßig die Schule zu besuchen oder mit einer Lehre zu beginnen. Ein kleiner Junge, der bereits als Sonderschulkind eingestuft wurde, hat sich in seinen schulischen Leistungen so gut entwickelt, dass ein Wechsel zum Gymnasium überlegt wird. „Unser größter Traum wäre es, einen Investor zu finden, der das Haus kauft und uns als künftige Mieter akzeptiert“, sagt Amthor seufzend und ergänzt, dass er bereits Briefe mit der Bitte um Unterstützung an viele wichtige Ämter, Doris SchröderKöpf und Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg geschrie be habe. Selbstverständlich würde er, falls es nicht anders geht, mit den Kindern und Jugendlichen auch in einen anderen Stadtteil ziehen. Bisher sei allerdings die Suche nach einem neuen Mietobjekt ergebnislos verlaufen, zumal das neue Haus mindestens 250 Quadratmeter groß sein müsste. Wer für das Kinder- und Jugendhaus Amthor einen Tipp hat oder helfen möchte, kann sich unter Tel. 693945 melden.

Jens-Olaf Amthor (Mitte) mit einigen seiner Schützlinge. Das Haus, das die Gruppe gemeinsam be wohnt ist allen Bewohnern zur Heimat geworden. Foto: Hilgers

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