Pressemeldungen

Neue Presse (24.12.2003)


FESTLICH: Mike legt letzte Hand an beiden Weihnachtsbaumkugeln. Das gemeinsame Schmücken gehört im Haus Amthor zur Tradition. Fotos: Wilde


Gerettet — buntes Fest im kleinsten Kinderhaus


Im Kinder- und Jugendhaus Amthor, der kleinsten Jugendhilfeeinrichtung der Stadt, wird traditionell Weihnachten gefeiert. VON INKEN HÄGERMANN HANNOVER. Im Flur riecht es nach frischem Gebäck, im Wohnzimmer steht die festliche geschmückte Fichte. In den Fenstern kleben Bildchen von Weihnachtsmännern, die Kleinen hopsen aufgeregt herum. „Seit Tagen können die nicht richtig schlafen“, schmunzelt Jens- Olaf Amthor, der hauptberufliche Familienvater im Kinder- und Jugendhaus. Sechs Jungen und junge Männer leben hier unter der Obhut des 40-Jährigen. Kein Heim, sondern eine Ersatzfamilie — auch an Weihnachten. Bis auf Daniel (13), der die Feiertage bei seiner Mutter verbringt sitzen am Heiligen Abend alle hier unterm Weihnachtsbaum. Heute wird ein kunterbunter Tag für Michael (20), Christoph (16), Justus (11), Mickey (9) und Mike (7), die wie Brüder zusammenleben: morgens Frühstück, am Nachmittag Gottesdienst. Danach müssen die Jungen für eine halbe Stunde auf ihrem Zimmer verschwinden. „Da werden die Geschenke ins Wohnzimmer getragen“, weiß Mike. Die sind noch im Keller gelagert, hinter einer verriegelten Tür. Liegen die Geschenke unterm Baum, läutet Amthor das Glöckchen. Justus liest eine Weihnachtsgeschichte vor, danach gibt’s Bescherung. Dann folgt die große Weihnachtstafel. Fast 20 Personen kommen, ehemalige Bewohner und die Geschwister von Berufsvater Amthor. Kinderhaus-Omi Bruni (Amthors Mutter) zaubert die traditionelle Königspastete mit Reis, zum Nachtisch gibt’s Eis. Die Kleinen sind besonders aufgeregt: „Wegen der Geschenke“, rufen sie. Die Größeren freuen sich auf die Ehemaligen, die zu Besuch kommen: „Das ist wie ein Familientreffen“, sagt Christoph.,, Ist ja unsere Familie. Und Jens ist unser Vater.“ Doch das schönste Geschenk ist für alle, dass sie „ihr“ Haus behalten können. Bis vor wenigen Wochen sah es aus, als müsste die Einrichtung schließen: Der Mietvertrag läuft zum April 2004 aus. Ein Jahr lang hatte Amthor verzweifelt nach einer neuen Bleibe gesucht — vergebens. Erst jetzt fand sich die Lösung: „Ich kaufe das Haus“, erklärt Amthor. Mit Unterstützung der Banken hat er eine Finanzierung auf die Beine gestellt, die Eigentümergesellschaft kam ihm entgegen. „Besonders muss ich mich bei Nachbarn, Lehrern und Therapeuten bedanken. Sie haben uns in der Zeit der Unsicherheit Mut zugesprochen“, sagt Amthor. Gefeiert wird der Kauf erst Silvester: „Dann ist es offiziell unser Haus. Da bin ich abergläubisch.“



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