Kinderhaus-Post 03-2025

Liebe Eltern, liebe Großeltern, liebe Familienangehörige,
liebe Freunde und Förderer unseres Kinderhauses,
liebe Leserinnen und Leser unserer Kinderhaus-Post,

eigentlich ist es nicht meine Art, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, aber unsere absolute Belastungsobergrenze ist inzwischen doppelt bis dreifach erreicht! Einerseits liegt das daran, dass die Betreuungsverläufe immer komplexer werden. Andererseits wurden uns leider zum Teil viele wichtige Informationen vor der Aufnahme neuer Kinder und Jugendlicher nicht mitgeteilt. Hinzu kommt, dass unsere personellen Ressourcen durch die bereits langanhaltenden hohen Arbeitsbelastungen in unserem Kinder- & Jugendhaus mittlerweile fast vollständig erschöpft sind. Zudem nehmen die Bürokratie und die Dokumentationspflichten kontinuierlich zu. Zu unseren ohnehin schon seit jeher sehr umfangreichen Betreuungsaufgaben kommen immer wieder weitere hinzu. Diese können wir jedoch nicht mehr in der von uns gewohnten Qualität und Verlässlichkeit gewährleisten.

Die immensen Arbeitsbelastungen führen unweigerlich zu höheren personellen Ausfällen aufgrund von Krankheit und/oder dringend notwendiger Regenerierungszeiten einzelner Teamkolleg*innen, um Luft zu holen und Kraft zu tanken, damit die großen Belastungen wieder eine Zeit lang ausgehalten werden können. So kann und darf es jedoch nicht weitergehen!

Seit geraumer Zeit versuchen wir, eine Lösung zu finden, um aus diesem Hamsterrad herauszukommen. Bisher aber leider nur mit mäßigem Erfolg.

Eine Personalaufstockung ist kaum durchsetzbar, da die Finanzierung schwierig bis unmöglich wäre. Die stationäre Jugendhilfe ist durch den hohen Personaleinsatz ohnehin schon eine extrem kostenintensive Leistung. Wir können daher nur die Arbeit auf die Schultern verteilen, die uns zur Verfügung stehen. Häufig fallen zwei Kolleg*innen gleichzeitig aus, sei es, weil sie sich im Urlaub befinden, an einer Fort- oder Weiterbildung teilnehmen oder weil sie aus Überlastungsgründen krank geworden sind.

Im Rahmen von Team- und Einzel-Supervision sowie kollegialer und externer Fachberatung versuchen wir, Lösungen zu finden, um die mittlerweile untragbaren Mehrbelastungen wieder auf ein normales Maß herunterzuschrauben. In dieser Situation haben wir leider keine andere Wahl, als einige unserer Angebote im Betreuungsalltag zu reduzieren. Dies erfolgt jedoch ohne elementare Abstriche im Rahmen unseres vertraglich vereinbarten Leistungsangebots mit der Region Hannover.

So ist es uns nicht nur vorerst nicht möglich, den Jahresbericht herauszubringen (wir berichteten bereits darüber), sondern wir können auch keine zusätzlichen Fahrdienste (Schülerbeförderungen etc.), Begleitungen oder aktive Beteiligungen in unterschiedlichen Gruppen und Gremien übernehmen. Dazu zählen die Fach-AG § 78 (SGB VIII) sowie die Arbeit in unserem Verband VPK (Verband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe e. V.) auf Landes- und Bundesebene.

Auch die intensive Betreuung und Begleitung unserer Ehemaligen können wir zu unserem allergrößten Bedauern nicht mehr im bisherigen Umfang leisten. All dies wird leider immer noch nicht ausreichen, um eine spürbare Entlastung zu erreichen und die weit mehr als 400 Überstunden abzubauen sowie Arbeitstage des Trägers mit 16 Stunden und mehr zukünftig zu vermeiden. Wir müssen definitiv andere, neue Wege gehen, beispielsweise auch im Kontext unserer Öffentlichkeitsarbeit. Wir fragen uns daher, ob wir Sommerfeste mit mehr als 100 Gästen und einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit, Harley-Ausfahrten, regelmäßige geplante und spontane Elterngespräche mit hohem Beratungsanteil und dergleichen mehr überhaupt noch realisieren können. Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns intensiv, denn wir müssen Antworten finden. Ob uns das gelingt, wird erst die Zukunft zeigen, aber es muss sich etwas ändern – und zwar jetzt und nicht erst morgen oder übermorgen!

Über diesen schmerzlichen und für uns alle nicht einfachen Prozess der Neuausrichtung – in der Politik würde man es „Transformation“ nennen – halten wir Sie mit der jeweils aktuellen Kinderhaus-Post auf dem Laufenden.

Eins ist für uns aber ganz klar: Trotz aller Belastungen dürfen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserem Kinder- und Jugendhaus nicht zu kurz kommen und unter dieser prekären Situation leiden. Sie werden weiterhin im Mittelpunkt unseres Interesses stehen, komme was wolle.

Ein Blick zurück:

Gleich in der ersten Woche der Sommerferien fand unser Kinderhaus-Urlaub an der Ostsee statt. Fünf Kinder und Jugendliche sowie ein junger Erwachsener haben daran teilgenommen und wurden von drei Teamkolleg*innen begleitet. Es war eine durchweg schöne Zeit mit Strandbesuchen, einer Fahrradtour und diversen Unternehmungen wie einem Tagesbesuch im Hansa-Park, die für eine gute, fröhliche und ausgelassene Stimmung sorgten. Das geräumige Ferienhaus bot einerseits viel Platz zum Toben und Spielen und verfügte andererseits auch über genügend Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder und Jugendlichen. Nur der Sonnenschein hätte etwas besser und konstanter ausfallen können. Ein Manko, das in diesem Sommer leider viele in Deutschland zu beklagen hatten. Doch was am Ende zählt, ist der Spaßfaktor, und der kam sowohl in diesem Urlaub als auch an den restlichen Tagen der Sommerferien mit vielfältigen weiteren Freizeitangeboten ganz gewiss nicht zu kurz.

Wie in der vorherigen Kinderhaus-Post schon angekündigt, hat einer unserer Ältesten am 1. Juli sein FSJ begonnen und ist vier Wochen später in die „Mobile Betreuung (MOB)” gewechselt. Nun bewohnt der junge Erwachsene eine schöne Zweizimmerwohnung, wird durch einen anderen Jugendhilfeträger nur noch stundenweise betreut und ist somit seiner Verselbstständigung einen riesigen Schritt nähergekommen. Anfang August hat die gesamte Kinderhausfamilie bei einem Barbecue-Buffet im Hotel Fora seinen Abschied gefeiert. Was uns jedoch ganz besonders freut, ist sein weiterhin regelmäßiger Besuch zum Sonntagsfrühstück im Kinderhaus.

Sie kennen ja das Prozedere bei uns: Nach einem Auszug erfolgt relativ schnell wieder ein Einzug. So auch diesmal. Deshalb wurde kurze Zeit später ein 12-jähriges Mädchen in unsere Kinderhausfamilie aufgenommen. Sie besucht die 7. Klasse einer nahegelegenen Schule und hat vielfältige Sport- und Freizeitinteressen, denen sie allesamt mit großer Leidenschaft und Ausdauer nachgeht.

Ein weiterer Jugendlicher hat im August eine Ausbildung zum Maler und Lackierer begonnen. Wir wünschen ihm viel Glück und Erfolg, denn seine Berufstage sind lang: Sein Wecker klingelt nun bereits um 5:30 Uhr.

Mit Beginn des neuen Schuljahres besuchen zwei unserer Kinder jeweils eine 4. Grundschulklasse, drei Jugendliche gehen auf weiterführende Schulen (Gymnasium/Realschule) und ein junger Erwachsener befindet sich derzeit noch in einer Orientierungsphase.

Wir haben uns riesig über den Besuch einer mittlerweile fast 25-jährigen Ehemaligen gefreut. Ihr Studium im Bereich Umwelttechnik in Münster neigt sich langsam dem Ende zu, bevor sie noch drei Auslandssemester in Kolumbien studiert und mit dem Bachelor abschließt. Bei ihrem Besuch hat sie die über achtjährige Betreuungszeit im Kinderhaus nochmals Revue passieren lassen und dabei uns gegenüber viel Wertschätzung und Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Wie im Leben üblich, gab es auch bei ihr Höhen und Tiefen. Doch wenn ein junger Mensch rückblickend sagen kann: „Die Mühen haben sich gelohnt”, dann ist das nicht nur ein schönes Gefühl und eine große Freude für uns, sondern der eigentliche Lohn für unsere Arbeit. Gerade in Zeiten, in denen Dankbarkeit und Wertschätzung nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen scheinen, ist ein solches Feedback Balsam für unsere Seelen.

Vor ein paar Wochen kam uns darüber hinaus ein weiterer „Ehemaliger“ zusammen mit seiner Frau und seinen fast schon vier erwachsenen Kindern besuchen. Über 20 Jahre hatten wir keinen Kontakt mehr zu ihm. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Stuttgart und betreut neben seinem Beruf auch noch seinen pflegebedürftigen Vater. So werden aus „Kindern” Leute, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen, Verantwortung tragen und sich vielfältig engagieren. Wir hoffen, dass es jetzt wieder regelmäßige Besuche geben wird und der Kontakt zu ihm nicht mehr abreißen wird.

Damit nun genug für heute.

Allerdings möchten wir Sie und euch noch auf den neu gegründeten Verein „Tafel für Tiere Hannover e. V.“ aufmerksam machen. Er ist derzeit die einzige Tafel in Hannover, die sich ausschließlich um Tiere kümmert. Immer mehr Menschen sind leider auf Tafeln angewiesen, die Lebensmittel an Bedürftige ausgeben. Einige von ihnen haben jedoch seit vielen Jahren ans Herz gewachsene, treue Haustiere, die ihnen sehr viel bedeuten und die ihnen andererseits auch jeden Tag dabei helfen, ihre Lebensfreude und ihren Lebensmut zu bewahren. Wer sich in einer finanziell angespannten Situation weiterhin um sein Tier kümmert, zeigt echte Stärke und Verantwortung!

Der Verein stellt Futter für Hunde, Katzen und Kleintiere zur Verfügung, gibt praktische Tipps für den Tieralltag und vieles mehr. Wie die Registrierung für die Tiertafel funktioniert und wann und wo die Ausgaben stattfinden, erfahren Sie auf der Homepage des Vereins: www.tafel-fuer-tiere-hannover.de.

Zum Ende des Jahres wird es sicherlich noch eine weitere Kinderhaus-Post geben. Vielleicht enthält sie auch schon die ersten Ergebnisse, die hoffentlich zu einer Arbeitsentlastung im Kinder- und Jugendhaus geführt haben.

Bleiben Sie standfest in einer Zeit, in der sich scheinbar alles immer schneller dreht und das Chaos in der Welt unaufhaltsam wächst.

Wir würden uns sehr über Ihre weitere Verbundenheit zu unserem Kinder- und Jugendhaus freuen.

Ihr Jens-Olaf Amthor & das KJH-Team…
…Nicole Blumreiter – Rabea Krüger – Annika Riekhof- Roman Flegler -Kai-Christian Steinke

sowie das Hauswirtschaftliche Team…
… Hannelore Hoppe – Laura Hoppe – Lothar Hoppe

Zu guter Letzt:  

Mit dieser Kinderhaus-Post möchten wir, wie immer an dieser Stelle, alle Menschen, Firmen und Institutionen nennen, die uns seit der jeweils letzten Kinderhaus-Post finanziell, ideell oder materiell unterstützt haben. Wir bedanken uns daher noch einmal ganz herzlich für die Unterstützungen seit dem 18.06.2025 bei:

  • Anja Schubert
  • Lothar Friedrich Albert Forth
  • Anne Sperber
  • Yvonne Möhrmann
  • Marcel Hans-Peter Seidler
  • Hochzeitskollekte vom 31.07.25 Koll/Zielke (mehr ist uns leider nicht bekannt)

sowie selbstverständlich bei all denen, die hier nicht namentlich erwähnt werden möchten!

Grünewaldstr.12
30177 Hannover
TEL: 0511 69 39 45

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